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Warum ich geglaubt habe, alles selbst machen zu müssen

Über Kontrolle, Perfektionismus und Verantwortung.

„Ich mach das schnell selbst.“

Wie oft habe ich diesen Satz in meinen 25 Jahren als Unternehmerin gedacht oder ausgesprochen?

Wahrscheinlich öfter, als ich zählen kann.

Und meistens war ich sogar davon überzeugt, dass es die beste Lösung war.

Ich wusste, wie etwas gemacht werden musste. Ich wusste, welches Ergebnis ich wollte. Und ich wusste, dass ich es selbst schnell, präzise und effizient erledigen konnte.

Warum also lange erklären, kontrollieren und am Ende vielleicht doch noch einmal nachbessern?

Dann mache ich es eben gleich selbst.

Klingt vernünftig, oder?

War es aber nicht immer.

Wenn die eigenen Stärken zum Hindernis werden

Ich war schon immer ein Mensch, der gerne genau und effizient arbeitet. Wenn ich etwas mache, dann ordentlich. Und am liebsten ohne unnötige Umwege.

Das ist grundsätzlich keine schlechte Eigenschaft.

Aber ich hatte auch eine andere Seite: Ich konnte unglaublich ungeduldig werden, wenn andere Menschen für etwas deutlich länger brauchten als ich.

Ganz ehrlich? Wenn ich jemandem dabei zusehen musste, wie langsam er eine Aufgabe erledigte, hätte ich manchmal wahnsinnig werden können. 😂

In meinem Kopf lief dann sofort der Gedanke:

„In der Zeit hätte ich das schon dreimal erledigt.“

Also griff ich ein. Übernahm. Korrigierte. Machte es selbst.

Und fühlte mich dabei auch noch besonders effizient.

Heute weiß ich: Ich war vielleicht effizient bei der Erledigung einzelner Aufgaben. Aber nicht unbedingt darin, mein Unternehmen zu führen.

Denn jedes Mal, wenn ich etwas an mich zog, nahm ich jemand anderem die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und daran zu wachsen.

Ich wollte Verantwortung tragen. Und habe sie gleichzeitig nicht abgegeben.

Als Unternehmerin fühlte ich mich für alles verantwortlich.

Für die Qualität. Für die Kunden. Für die Mitarbeiter. Für die Entscheidungen. Für das Ergebnis.

Schließlich war es mein Unternehmen.

Und wenn etwas schiefging, lag die Verantwortung letztlich bei mir.

Aus diesem Gefühl heraus entstand über die Jahre etwas, das ich damals gar nicht richtig bemerkte:

Ich hatte nicht nur viel Verantwortung.

Ich hatte begonnen, Verantwortung mit Kontrolle zu verwechseln.

Ich wollte sicher sein, dass alles funktioniert. Dass nichts übersehen wird. Dass die Qualität stimmt.

Also wollte ich möglichst überall den Überblick behalten.

Was ich dabei lange nicht verstanden habe: Nur weil ich für das Ergebnis verantwortlich bin, bedeutet das nicht, dass ich jeden einzelnen Schritt selbst machen oder kontrollieren muss.

Perfektionismus hat seinen Preis

Ich habe lange geglaubt, mein hoher Anspruch sei einer der Gründe für meinen unternehmerischen Erfolg.

Und das war er wahrscheinlich auch.

Aber irgendwann wurde genau dieser Anspruch zu einer Belastung.

Denn wenn nur meine Art, etwas zu erledigen, die richtige war, gab es für andere kaum Raum, ihren eigenen Weg zu finden.

Ich erwartete Ergebnisse, die meinen Vorstellungen entsprachen. Und manchmal erwartete ich unbewusst auch, dass andere genauso dachten, genauso arbeiteten und genauso schnell waren wie ich.

Aber Menschen sind unterschiedlich.

Sie haben andere Stärken, andere Arbeitsweisen und andere Herangehensweisen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass ihre Ergebnisse schlechter sind.

Anders ist nicht gleich falsch.

Diese Erkenntnis klingt so einfach.

Für mich war sie alles andere als einfach umzusetzen.

Der größte Engpass war manchmal ich selbst

Je mehr Entscheidungen über meinen Schreibtisch liefen, desto abhängiger wurde das Unternehmen von mir.

Ich war ständig beschäftigt. Ständig gefragt. Ständig irgendwo notwendig.

Und lange habe ich das sogar als Bestätigung gesehen.

Wenn alle mich brauchen, dann bin ich offenbar wichtig.

Aber irgendwann musste ich mir eine unangenehme Frage stellen:

Bin ich wirklich unersetzlich – oder habe ich mein Unternehmen so organisiert, dass ohne mich zu wenig funktioniert?

Das war keine besonders angenehme Erkenntnis.

Denn sie bedeutete, dass nicht nur die vielen Aufgaben und die hohen Anforderungen für meine Belastung verantwortlich waren.

Sondern auch ich selbst.

Mein Kontrollbedürfnis. Mein Perfektionismus. Meine Ungeduld.

Und mein Glaube, dass ich vieles besser und schneller erledigen konnte als andere.

Loslassen heißt nicht, dass einem alles egal wird

Verantwortung abzugeben war für mich kein Schalter, den ich einfach umlegen konnte.

Es war ein Lernprozess.

Ich musste lernen, Aufgaben wirklich abzugeben – und nicht nur so lange, bis jemand sie anders erledigte, als ich es getan hätte.

Ich musste lernen, nicht sofort einzugreifen.

Nicht ständig nachzubessern.

Und vor allem musste ich lernen, meinen Mitarbeitern zu vertrauen.

Das bedeutete nicht, meine Ansprüche aufzugeben oder schlechte Ergebnisse zu akzeptieren.

Es bedeutete, klar zu sagen, welches Ergebnis ich erwartete, und anderen Menschen zuzutrauen, einen eigenen Weg dorthin zu finden.

Manchmal musste ich mich dabei wirklich zusammenreißen. 😂

Aber mit der Zeit merkte ich, dass etwas Entscheidendes passierte:

Andere übernahmen mehr Verantwortung.

Sie entwickelten eigene Lösungen.

Und ich gewann Freiraum zurück.

Nicht, weil mir mein Unternehmen plötzlich weniger wichtig war.

Sondern weil ich verstanden hatte, dass ich nicht alles selbst machen musste, damit es gut funktioniert.

Was ich heute anders sehe

Ich bin noch immer ein Mensch mit hohen Ansprüchen.

Ich mag es noch immer, wenn Dinge gut organisiert, präzise und effizient erledigt werden.

Und ja, Ungeduld gehört wahrscheinlich auch heute noch ein bisschen zu mir. 😉

Aber ich weiß inzwischen, dass unternehmerischer Erfolg nicht bedeutet, überall selbst die Finger im Spiel zu haben.

Im Gegenteil.

Ein Unternehmen sollte wachsen und funktionieren können, ohne dass jede Entscheidung, jede Aufgabe und jedes Problem bei der Unternehmerin oder dem Unternehmer landet.

Denn was bringt mir ein erfolgreiches Unternehmen, wenn ich selbst darin gefangen bin?

Wenn ich zwar alles im Griff habe, aber kaum noch Zeit für mein eigenes Leben bleibt?

Erfolg sollte uns Möglichkeiten eröffnen. Nicht uns die Freiheit nehmen.

Und vielleicht beginnt diese Freiheit manchmal mit einem ganz einfachen Gedanken:

Es muss nicht immer so gemacht werden, wie ich es machen würde.

Eine Frage zum Schluss

Wenn du Unternehmerin oder Unternehmer bist, dann frag dich einmal ganz ehrlich:

Welche Aufgaben erledigst du heute noch selbst, weil du wirklich die richtige Person dafür bist – und welche, weil du glaubst, dass es sonst niemand so gut macht wie du?

Ich kenne meine Antwort von damals.

Und sie hat mich einiges an Freiheit gekostet.

Erfolg UND ein Leben.

Genau darum geht es mir heute.

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